Rennbericht zum Strongman in Japan!

Endlich finde ich etwas Zeit, um ein paar Sätze zum Strongman-All Japan Triathlon auf Miyakojima zu schreiben. Zu absolvieren waren 3 km Schwimmen, 155 km Rad fahren und 42,195 km Laufen. Das ganze fand bei tropischen Verhältnissen (28 Grad, 85% Luftfeuchtigkeit) statt. Meine Überlegungen im Vorfeld des Rennens waren, dass ich im Wasser und auf dem Rad Tempo machen müsste, damit ich die schnellen 2:47er Marathonläufer aus den vergangenen Jahren auf Distanz halten könnte.
Der Start fand morgens um 7:00Uhr statt. Es bildete sich schnell eine dreiköpfige Führungsgruppe. Dabei waren der Chinese Hiro Nishiuchi, mein ukrainischer Zimmerkollege Viktor Aloshyn und ich. Wir stiegen auch gemeinsam aus dem Wasser und hatten schon einige Minuten Vorsprung auf die mehr als 1700 Verfolger rausgeholt. Als wir die Räder aus der Wechselzone schoben, kam für mich in dieser Konstellation nur eine Möglichkeit in Frage: Mit Tempo den Vorsprung ausbauen!! Allerdings sollte es keine Harakiri-Tour werden. Ich fühlte mich stark und fuhr in der ersten Stunde einen Schnitt von 41.5km/h mit etwa 295Watt. In der zweiten und dritten Stunde pendelte sich mein Tempo auf dem welligen Kurs bei 290 Watt und 40km/h ein. Ich konnte nur an wenigen Stellen meinen Vorsprung zu der Verfolgergruppe ausmachen. Beim ersten Mal nach 70 Kilometern hatte ich etwa sechs Minuten Vorsprung herausgefahren. Bei Kilometer 115 belief sich der Vorsprung auf etwa 13 Minuten. Ich fühlte mich sehr gut bis zu diesem Zeitpunkt, auch wenn ich zwei Gels verloren hatte fühlte ich mich zuversichtlich mit den zwei verbliebenen die komplette Radstrecke überstehen zu können. Ich versuchte, sie mir einfach besser einzuteilen. Ab 120 km merkte ich, dass der Plan möglicherweise nicht so ganz aufgehen würde. Meine Leistung sank von Kilometer zu Kilometer und negative Gedanken kamen hinzu, was nicht immer aber oft, ein Zeichen für eine schlechte Kohlenhydratversorgung ist. Ich versuchte, auch wenn ich wusste, dass ich langsamer werde, vernünftig zu denken: Wenn die anderen auf 40km ein paar Minuten verlieren, dann sollte ich jetzt wenigstens in der Lage sein, den Vorsprung zu halten und damit auf die Laufstrecke wechseln zu können. Ich konzentrierte mich auf Kühlung, Getränke und eine gute Radpositio. Ich hoffte, dass es reicht, wenn ich an der ersten Verpflegungsstation auf dem Laufsplit Gel und falls nötig auch Cola zu mir nehmen würde. Als ich auf die Laufstrecke wechselte hatte ich etwa zehn Minuten Vorsprung vor den Verfolgern, fühlte mich allerdings gar nicht mehr fit. Mir war schwindelig und ich konnte mich kaum noch auf meine Aufgaben konzentrieren. Der Wechsel in die Laufschuhe muss ziemlich bemitleidenswert ausgesehen haben. 😉
Mit dem Vorsprung im Nacken versuchte ich, es ganz locker angehen zu lassen. Ich hoffte auf schnelle Regeneration, wenn ich jetzt auftanken würde, nahm alles zu mir was ich konnte und versuchte nur die nächsten Minuten heil zu überstehen, um dann wieder ein höheres Lauftempo anschlagen zu können. Mein Körper hatte allerdings beschlossen, dass er einen Marathon in diesem Zustand nicht mitmachen wollte. Ich musste immer wieder ins Gehen wechseln bis irgendwann gar nichts mehr ging und ich nach einem kurzen Blackout auf dem Boden saß. Noch immer hatte ich nicht mit dem Wettkampf abgeschlossen, doch als dann die ersten fünf Athleten an mir vorbei liefen war ich auch im Kopf gebrochen. Einen Fußmarsch über etwa 40km konnte ich mir beim besten Willen nicht mehr vorstellen, nicht wegen dem schlechten Ergebnis, sondern weil selbst das unmöglich erschien.
Ich musste einsehen, dass mein Radsolo bei diesen klimatischen Verhältnissen wohl doch etwas zuviel gewesen war. Ich war über meine Grenzen gegangen, zwar nur geringfügig, aber entscheidend. Das hält mich jedoch nicht davon ab,  mit meiner Leistung letzendlich zufrieden zu sein. Ich war mutig und es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich nach dieser Radleistung auch in der Lage bin, einen konstant schnellen Marathon zu laufen. In den Wochen vor dem Wettkampf hatte ich einige gute Trainingsergebnisse, die mich nicht an meiner Laufleistung zweifeln lassen.

Neben dem sportlichen Aspekt,  war es eine wahnsinnig tolle Erfahrung, den Wettkampf in Japan absolvieren zu dürfen. Die Menschen in Japan und speziell auf Miyakojima sind sehr gastfreundlich. Auf der Insel ist der Triathlon ein absolutes Highlight. Die eingeladenen ausländischen Athleten sind in Schulen, zum Bürgermeister und zu sämtlichen Festlichkeiten eingeladen worden. Diese Tatsache weiß ich mindestens genauso zu schätzen wie die beheizte Klobrille im Luxus-Rennhotel auf Miyakojima. 😉
Nächste Wettkämpfe: 2. Bundesliga Teamwettkampf für das EJOT Team Buschhütten und zwei Wochen später möglicherweise der Ironman 70.3 in St. Pölten (Österreich).
Bis bald!

923204_739644406081035_6036868750148720197_n 1044002_739644436081032_1882306191397851891_n 10153174_649018531838555_7179697959354056437_n 1926894_739641919414617_8266798889448808006_n 10168048_739640666081409_9082525705983166931_n 10176160_739637789415030_7140827377828506452_n 10269397_649018401838568_1433546582387577551_n 10269626_740193566026119_7788611348669279814_n 10277595_649018348505240_651430381110232031_n