Challenge Roth (14.7.2013)

Endlich habe ich etwas Zeit um ein paar Worte zum Wettkampf in Roth zu verlieren:
Am frühen Donnerstag Nachmittag vor dem Rennen traf ich am Wettkampfort ein und konnte dort meine Dopingprobe abgeben, ein paar Freunde auf der Triathlonmesse besuchen und die nahegelegene gemietete Wohnung beziehen.

Die war groß genug, sodass noch Niclas Bock, Benjamin Herrera und ab Samstag auch Armin Weiss Platz fanden. Die folgenden Tage hatten wir Zeit um die Wettkampfstrecken anzuschauen, ein paar leichte Trainingseinheiten zu absolvieren und die Triathlonmesse zu besuchen. Am Sonntag fuhren wir zeitig zum Schwimmstart. Dort erlebten wir nicht zum letzten Mal an diesem Wochenende eine unglaubliche Atmosphäre. Der Startschuss fiel um 6.30 Uhr und ich fand mich schnell in einer vorderen Position wieder. Leider konnte ich durch kleinere Missgeschicke nicht bis zum Ende in der vordersten Gruppe mitschwimmen, behielt allerdings Sichtkontakt. Ich verließ mit etwa einer Minute Rückstand das Wasser (46:55 Minuten) und ließ es erstmal locker angehen.

 

Wenn man weiß, dass noch einige Stündchen Belastung dazu kommen spart man sich seine Körner besser. Auf dem Rad verhielt ich mich defensiv, auch weil die Vorbelastung vom Samstag meine Beine nicht so geschmeidig gemacht, wie ich es mir gewünscht hatte. Trotzdem konnte ich meine Wattzahlen treten und fand nach ein paar Kilometern Solofahrt Anschluss an eine größere Gruppe um zahlreiche Favoriten. Vorher hatte ich dieses Szenario im Kopf schon durchgespielt und wusste deshalb was ich machen würde. Ich fuhr mit, solange ich nicht über längere Zeit an meine Reserven gehen musste.(Wattmessgerät zahlt sich also doch aus! Wie war das früher nochmal ohne?) Das war dann etwa bei 60km. Danach hingen noch Dylan McNeice und Andi Niedrig an meinem Hinterrad. Die Gruppe sprengte ich allerdings unabsichtlich am Solarer Berg (bei ca. 70km) im Adrenalinrausch. Oben angekommen drehte ich mich um und sah niemand mehr. Der nächste Blick wanderte auf meinen Radcomputer. Das Ergebnis: Puls -> zu hoch, Watt -> zu hoch. Also hatte ich mich wie ein absoluter Anfänger verhalten, obwohl ich diesen Sport ja schon ein paar Jahre mache. Kaum stehen Zuschauer am Straßenrand die einen anbrüllen geb ich Vollgas… Naja, es war nicht mehr zu ändern und ich zog es ohne Gruppe durch.
Das Spielchen ging dann bis etwa 170km so weiter (2. Runde Solarer Berg war ich dann vernünftig). Dann holte mich Timo ein, der zwischenzeitlich Probleme mit seinem Hinterrad hatte. Wir wechselten ein paar Worte und fuhren zusammen den Radkurs zu Ende. Für meinen Kopf ein gutes Gefühl, endlich nochmal etwas Gesellschaft nach 2,5-3h Einzelzeitfahren. Ab ins Wechselzelt und ein kurzer Schockmoment, die Helferin sagte: Startnummer 35 ist nicht da!
Meine Reaktion daraufhin:“Häää?“ Ich hatte das „ä“ noch auf der Zunge, da drückte mir eine andere Helferin schon meinen Beutel in die Hand. Nach guten fünf Stunden Sport ist man eben schon nicht mehr so aufnahmefähig wie frisch geduscht mit Morgenkaffee in der Hand. Ok, Problem gelöst und ab ins Wechselzelt! Hinsetzen beim Wechsel ist ein weiterer Luxus, den ich bisher nicht kannte, Daumen hoch! Dann hieß es für mich, die Gesellschaft von Timo noch etwas länger zu nutzen, was mich allerdins den ersten Kilometer in 3:30 laufen ließ. Ich wusste, dass es zu schnell ist und trotzdem tat ich es. Vielleicht wollte ich einfach nochmal austesten ob es nicht doch so weiter geht. Es ging nicht. Nach etwa 5km, das haben mir später Freunde berichtet die den Liveticker verfolgt haben, befand ich mich auf einem Kurs von einer 7:58er Endzeit. Diese Information fehlte mir zu diesem Zeitpunkt. Ich bekam nur die Informationen vom Kopf („Du weißt schon, dass noch 37km kommen, oder?“) und den Beinen („Sind wir gleich da?“). Ab diesem Punkt habe ich jeden Kilometer damit gerechnet gehen zu müssen. Ich war gezwungen in sehr kleinen Etappen zu rechnen, dh. ich dachte immer nur bis zur nächsten Verpflegungsstation (alle 2km). Ab der Marathonhälfte etwa fühlte ich mich richtig angeschossen. Meine Splitzeiten waren jenseits von dem, was ich mir ausgerechnet hatte und trotzdem sagten mir später die Liveticker-Freunde, dass ich mich bei 25km noch auf dem Weg zu ner 8:23er Endzeit befand. Die nächsten Kilometer waren die härtesten meines Triathlonlebens, einfach unbeschreiblich. Man hat eigentlich nur den Wunsch sich mit einem Cola-Fass an den Straßenrand zu legen und keinen Schritt mehr zu machen. Stattdessen gehts irgendwie weiter, mittlerweile in Gesellschaft von Georg, der an diesem Tag beim Laufpart wohl auch keine Bestzeit hingelegt hat. Egal, ein paar gemeinsame Meter und dann die entscheidenden Worte mit meinem Trainer gewechselt:
Simon:“Kann ich noch Sub 9 schaffen?“
Benja (mit ironischem Unterton weil ich vor dem Rennen was das Marathontempo betraf immer eine etwas große Klappe hatte): „Du hast jetzt noch ungefähr sieben Kilometer und ca. 50 Minuten, das sollte drin sein…“.
Meine körperliche Verfassung lässt sich am besten dadurch beschreiben, dass ich trotzdem gezweifelt habe. Aber kurze Zeit später hatte ich das Tief überwunden und das System fühlte sich wieder besser an. As es vom Kanal in Richtung Ziel ging wusste ich, dass ich es schaffen würde und ich wusste auch, dass ich meine Minimalziele (Ins Ziel kommen und Sub9) erreichen würde. Nach der letzten Schleife durch den Ort und dem Lauf ins Stadion traute ich meinen Augen nicht: Eine 8:31 !!!???  Ich war so oft gegangen und gefühlt so langsam gelaufen, dass ich am Ende mit einer 8:45 oder 8:50 gerechnet hatte. Das ich meine angepeilte Zeit um 1,5 Minuten verpasst hatte war nach diesem Rennverlauf völlig nebensächlich.
Klar: Eine Top 10 Platzierung wäre schon nett gewesen und mit einer vernünftigen Marathonzeit wäre auch eine wesentlich bessere Endzeit möglich gewesen. Ich habe einige Punkte im Kopf die noch verbesserungswürdig sind und wenn ich die behebe wirds noch um einiges schneller gehen.
Die nächste Langdistanz kommt bestimmt, ich habe da schon eine Idee…
Abschließend: Danke an alle Glückwünsche, Anfeuerungen an der Strecke und ganz besonders an die Helfer. Den Wettkampf werde ich nie (!) vergessen!

Zwischenzeiten Challenge RothKUT_6086